Seit bald drei Wochen keine vier Stunden am Stück geschlafen. Anfangs drängt es den Verstand nah hin zum Wahnsinn. Die Nacht bricht über uns herein wie eine große, immer unbekannte Welle, von der niemand sagen kann, was sie diesmal also, versteckt in ihren Tubes, verborgen in der Gischt, an unseren Damm werfen wird. Hält das Gemäuer des Tages, wenn das Meer klar und bezwingbar, im freundlichen Schein der Sonne vor uns liegt, stand? Oder wird die schwarze kalte Welle uns fortspülen an jene Orte, die wir nicht zu kennen glauben: Frustration, Verzweiflung, Resignation, gar Fahnenflucht?

Unvermeidbar rollt die Welle auf mich zu, ich schließe die Augen nicht, die Bewegungen werden ruhiger, langsamer, für alles ist Zeit, warm anziehen, ein Licht an und Liebe und die Welle offenbart, was sie heranschleppt: eine Expertise für das nächtliche Fernsehprogramm. Vor einigen Nächten lief also die Sendung mit Precht. Wie freute ich mich. Seine Qualifikation kann ich beim besten Willen nicht beurteilen, doch er liefert mir zumindest kein Indiz für zwischenmenschliche Aversion. Die Sendung, das Gespräch stellt die Frage nach der der Natürlichkeit der Natur und dem Wandel des Naturbegriffs über die Jahrhunderte. Über den Austausch von persönlicher Erfahrung geht das Gespräch jedoch nicht hinaus und während er wohl wirklich bemüht ist, einen Erkenntnisgewinn zu ermöglichen, antwortet sein Gast leider bisweilen völlig an den Fragen vorbei und driftet schließlich in ärgerliche Plattitüden ab. Im Brustton der Überzeugung, wie sie resoluten Kindergartentanten mit viel Erfahrung statt großem wissenschaftlichen Hinterbau eigen ist, verkündet sie, sozusagen als Machtwort [sinngemäß]: Kinder dürfen ja auch nicht mehr in Pfützen spielen! Dabei ist doch eine Pfütze genau dafür da! [Verdammt]!

Ob es eine gute Bilanz ist? Gestern zum ersten Mal Geschrei mit kleinen Tränchen im Auge.

1.5.17 13:10
 


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